Schlaganfall: Leben retten in vier Schritten

S C H L A G A N F A L L :   L E B E N   R E T T E N   I N   V I E R   S C H R I T T E N

Ein gemütliches Grillfest in Lankwitz. Der Rasen ist streichholzkurz, aber die Platten sind uneben verlegt. Als die 68-jährige Wilma Kramer stürzt und für einige Sekunden am Boden liegt, vermuten ihre Gäste, die Rentnerin sei einfach gestolpert. Eine fatale Fehleinschätzung, denn obwohl die Gastgeberin eine halbe Stunde später wieder mitfeiert und nur etwas blass um die Nase scheint: Mitten in der Nacht ereilt sie ein zweiter, diesmal tödlicher Schlaganfall. Der erste hatte zum harmlos wirkenden Sturz geführt. „Hätten ihre Bekannten gewusst, wie man die Zeichen eines Schlaganfalls deutet, könnte Frau Kramer heute noch leben“, sagt Mary Pagitz, Pflegedienstleitung der Chirurgischen Universitätskliniken Innsbruck.

Wie hier über das Forum Berliner Zeitung (BZ) – die Einleitung ist ein Auszug aus einem Artikel von Antonia Schmidt, der am 12. August 2009 in der Online-Ausgabe der BZ erschienen ist – wenden sich Experten wie Pagitz bewusst an die breite Öffentlichkeit, um möglichst viele medizinische Laien für die Symptome zu sensibilisieren. Denn bei einem Schlaganfall darf keine Zeit verloren werden, rettet die sofortige ärztliche Versorgung oftmals Leben. Bleibt die schnelle Hilfe aus, sinken die Überlebens- und Heilungschancen von Minute zu Minute rapide. Umso wichtiger ist es, dass die erste Attacke, die oft unspektakulär verläuft, vom Umfeld oder auch vom Betroffenen selbst als Schlaganfall erkannt wird.

Vom Infarkt im Hirn sind immer mehr junge Menschen betroffen, er hat nichts mit dem Alter zu tun. Prominentes Beispiel ist Gaby Köster: Den Comedy-Star traf Anfang 2008 im Alter von 46 Jahren der Schlag. Rund 200.000 Menschen erleiden hierzulande jährlich eine Attacke – Schlaganfälle sind die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Für die Betroffenen tritt ein Schlaganfall oft unerwartet ein, dennoch gibt es im Vorfeld signifikante Alarmsignale. Diese gilt es zu erkennen und ernst zu nehmen. „Denn ein Schlaganfall kann fortschreiten – das heißt, es kann innerhalb weniger Stunden ein weiterer Schlaganfall folgen“, weiß Dr. Tomas Stein, Kardiologe und ärztlicher Direktor am Hamburger Diagnostik-Zentrum Fleetinsel, der ebenfalls unter anderem im Internet für Aufklärung sorgt und Tipps zur Vorbeugung gibt. Je früher ein Schlaganfall festgestellt werde, umso erfolgversprechender sei die Therapie. Nach Angaben von Experten stirbt jeder dritte Betroffene an den Folgen eines Schlaganfalls. Wer überlebt, hat nicht selten mit schweren und dauerhaften Behinderungen zu kämpfen.

Wie kommt es eigentlich zu einem Schlaganfall, den Fachleute Apoplexie nennen und der eine örtliche Störung im Hirn bedeutet? In der Ursachenforschung sprechen Wissenschaftler und Mediziner davon, dass eine bestimmte Zone des Gehirns ungenügend oder gar nicht durchblutet wird. Das habe einen Sauerstoffmangel zur Folge, der die Hirnfunktion stark beeinträchtige. Auslöser dieser lebensgefährlichen Durchblutungsstörungen sei in 80 Prozent der Fälle eine Arteriosklerose, im Volksmund auch Gefäßverkalkung genannt. Ansonsten seien Blutgerinnsel im Gehirn verantwortlich, hervorgerufen zum Beispiel durch Bluthochdruck. Laut Dr. Stein sind die Symptome davon abhängig, welche Gehirnregion betroffen ist. Charakteristisch seien halbseitige Lähmungen, Taubheitsgefühle und Schmerzen, vor allem im linken Arm, Unsicherheiten beim Gehen, Gleichgewichts-, Seh-, Schluck- und Sprachstörungen, herunter hängende Mundwinkel, eine gekrümmte Zunge, sehr starke Kopfschmerzen, Missempfindungen oder Verwirrtheit.

Um diese Symptome zu überprüfen, ohne unnötig Zeit zu verlieren, raten Experten wie Mary Pagitz und Dr. Tomas Stein zum sogenannten FAST-Test (Abkürzung für face = Gesicht, arms = Arme, speech = Sprache und time = Zeit). Das sind die vier Schritte im Einzelnen:

  1. Bitten Sie die betroffene Person, zu lächeln – liegt eine halbseitige Lähmung vor, wirkt der Mund einseitig verzogen (F).
  2. Bitten Sie die betroffene Person, beide Arme gleichzeitig mit den Handflächen nach oben anzuheben – bei einer Lähmung kann ein Arm nicht hochgezogen oder oben gehalten werden (A).
  3. Bitten Sie die betroffene Person, einen einfachen Satz nachzusprechen – eine Störung des Sprachzentrums ist erkennbar, wenn der Satz fehlerhaft oder verwaschen wiedergeben wird (S).
  4. Nun kommt es auf jeden Sekunde an, darf keine Zeit verloren werden (T). Zeigen sich derartige Symptome, hat sofortiges Handeln oberste Priorität: Es gilt, ohne zu zögern den Notarzt zu rufen.
Schlaganfall-Alarmzeichen: Wenn Sie diese Symptome erkennen, sofort den Notarzt rufen!

Folgende Frühwarnzeichen können auf einen Schlaganfall hinweisen: plötzliche Sprachschwierigkeiten, Sehstörungen, Drehschwindel, plötzliche halbseitige Lähmungserscheinungen an Armen oder Beinen oder auch plötzliche, heftigste Kopfschmerzen. (Grafik: Techniker Krankenkasse)

Leider bleiben Anzeichen eines drohenden Schlaganfalls allzu oft unbemerkt, da sie nur schwach ausgeprägt sind und nicht lange andauern. Deshalb sollte man sich schnellstens in ärztliche Behandlung begeben, wenn kurzzeitige Orientierungs- oder Gleichgewichtsstörungen, Schwindelanfälle, starke Kopfschmerzen, vorübergehende Muskelschwäche und Taubheitsgefühle oder gar Sprachstörungen auftreten. Diese Anhaltspunkte für eine drohende Apoplexie tun Betroffene in der Regel als harmlos ab und schieben sie auf den vermeintlichen Stress, doch gerade sie zählen zu den typischen Vorboten eines Schlaganfalls. „Tritt auch nur eines dieser Symptome auf, sollte der Gesundheitszustand dringend von einem Arzt abgeklärt werden“, mahnt Dr. Stein eindringlich dazu, auf sich aufzupassen. Denn so könnten Schlaganfälle häufig noch verhindert werden.

Doch so weit muss es erst gar nicht kommen. Denn es gibt einige Faktoren, die das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, deutlich erhöhen – und die können durch einen gesunden Lebensstil positiv beeinflusst werden: Bluthochdruck, Fettstoffwechsel-Störungen wie ein erhöhter Cholesterinspiegel, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, erhöhte Blutzuckerwerte (Diabetes Typ 2), Herzrhythmus-Störungen und auch die langjährige Einnahme der Anti-Baby-Pille. All diese Faktoren können zu einer Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) führen, die – wie erwähnt – zu 80 Prozent die Ursache für einen Schlaganfall ist. Alter, Vererbung und andauernder Stress sind ebenfalls Risikofaktoren, jedoch – bis auf den letztgenannten – im Gegensatz zu den anderen nicht zu beeinflussen. Sind in der Familie bereits Schlaganfälle aufgetreten, sollte man konsequent vorbeugen und ärztlichen Rat suchen.

Effektive Prophylaxe? Wie soll die aussehen?

Dazu hat Dr. Stein eine Faustregel parat: „Wer die Risikofaktoren vermeidet oder minimiert, senkt die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden, erheblich.“ Die Tipps des Kardiologen in diesem Zusammenhang:

  1. Senken Sie den hohen Blutdruck:

Am besten durch Kochsalz-arme Ernährung und regelmäßige Bewegung. Dazu eigenen sich besonders Ausdauersportarten wie Wandern, Nordic Walking, Schwimmen und Radfahren. Drei Mal pro Woche mindestens eine halbe Stunde lang Sport zu treiben, bringt den größten Effekt.

  1. Kriegen Sie Ihre Cholesterinwerte in den Griff:

Wenn das Blutbild zu viel „schlechtes“ Cholesterin (= LDL-Cholesterin) aufweist, ist man sehr gut beraten, seine Ernährung radikal umzustellen. In diesem Fall gehören Lebensmittel mit einem hohen Anteil an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf den Speiseplan. Besonders geeignet sind pflanzliche Öle, Nüsse und Fisch. Wichtig: Reduzieren Sie den Verzehr tierischer Fette in erheblichem Maße. Hände weg von Salami, Leberwurst, Bratwurst und fetthaltigen Fleischstücken: Diese fetten Fleischwaren können durch ihren hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren zu steigenden LDL-Werten beitragen. Frittierte und fetthaltige Fertigprodukte sollten ebenfalls vermieden werden. „Langfristig führt zu viel LDL im Körper zu Gefäßverkalkungen und Herzerkrankungen – und damit zu einem steigenden Schlaganfall-Risiko“, sagt Dr. Stein. Grund für die negative Wirkung des LDLs sei die Tatsache, dass es das Cholesterin nicht durch die Gefäße transportiere, sondern dort ablagere. Das führe zu Verengungen oder einem Verschluss der Gefäße.

  1. Senken Sie die Triglycerid-Werte:

Triglyceride (auch Neutralfette genannt; bestehen aus dem Molekül Glycerin, an dem drei Fettsäuren hängen – daher der Name) lassen sich am besten durch eine Umstellung der Ernährung reduzieren: Nehmen Sie weniger Fett zu sich, trinken Sie Alkohol in Maßen und verzichten Sie auf extrem zuckerhaltige Speisen und Getränke wie Limonade. Essen Sie dafür mehr Fisch sowie mehr Obst und Gemüse. Wichtig ist es, zu wissen, dass der Körper einen Zuckerüberschuss in Triglyceride umwandelt. Daher sollte der Konsum von Süßigkeiten, Weißmehlprodukten und Alkohol ebenfalls deutlich eingeschränkt werden. Empfehlung: Wählen Sie die Vollkorn-Varianten von Nudeln, Brot und Reis und überprüfen Sie die Energiezufuhr, etwa anhand der Nährwertangaben auf den Lebensmittel-Verpackungen.

Das eigene Schlaganfall-Risiko kann durch einen ungesunden Lebensstil deutlich erhöht werden.

Wer raucht, zu dick ist oder sich wenig bewegt, setzt sich einem höheren Risiko aus, einen Schlaganfall zu erleiden. Auch Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Diabetes erhöhen das Schlaganfall-Risiko. (Grafik: Techniker Krankenkasse)

Zum Abschluss dieses Blog-Artikels noch ein besonderer Tipp von www.gesundgehtso.de: Lassen Sie unbedingt einen sogenannten CRP-Test machen! Das ist ein ebenso neuartiger wie einfacher Bluttest, der nach einer im New England Journal of Medicine publizierten Studie zur Bestimmung des Risikos für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall doppelt so effektiv wie herkömmliche Cholesterintests ist. Als Grundlage dient ein sogenanntes C-reaktives Entzündungsprotein (CRP), das eine schleichende Entzündung, die Herz- und Gefäßkrankheiten jahrelang vorausgeht, messbar ans Tageslicht bringt. Der CPR-Test kostet rund 15 Euro.

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